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Letzte Aktualisierung:
14.04.2008

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Kanzleisprache
         

Projektbeschreibung



Die Sprachgeschichte des 17. Jahrhunderts harrt trotz intensivierter Frühneuhochdeutsch-Forschung der letzten Jahrzehnte in vielen Bereichen noch der Aufhellung. Sieht man von der literaturwissenschaftlichen Barockforschung ab, so bleibt gerade für die Untersuchung von Gebrauchstexten eine Menge zu tun.

Ziel unseres Projektes ist es, Sprache und Kommunikation vor Gericht anhand von Hexenprozessakten - insbesondere von Verhörprotokollen - aus dem gesamten deutschen Sprachgebiet zwischen 1580 und 1650 zu untersuchen. Dafür werden bislang unedierte oder für sprachhistorische Zwecke nicht angemessen ediert vorliegende Texte gesammelt und zu einem EDV-Korpus zusammengestellt.

Um das Untersuchungsgebiet flächendeckend erfassen zu können, sind sämtliche kommunalen Archive in Deutschland, Österreich und der Schweiz angeschrieben worden. Aufgrund ihrer Auskünfte und eigener Recherchen in ausgewählten Staats- und Landesarchiven konnten wir bisher einen Aktenbestand aus 151 Ortspunkten (253 Dateien) zusammentragen. In Vorbereitung befinden sich eine Auswahledition von Verhörprotokollen mit begleitender CD-ROM und eine regional differenzierte, kommentierte Bibliographie zur Hexenforschung.

Die Auswahledition trägt sowohl sprachhistorischen Erfordernissen als auch den Bedürfnissen von (Rechts-)Historikern Rechnung und wird damit auch Grundlage für interdisziplinäre Forschungen sein. Aus den spezifischen Eigenarten der Textsorte 'Verhörprotokoll' leiten sich analytische Perspektiven verschiedenster Art ab:

- Formale und textstrukturelle Merkmale
- Zusammenhang von Mündlichkeit und Schriftlichkeit
- Regionale Differenzierungen der vorgeblich homogenen Kanzleisprache
- Kulturell-konfessionelle Unterschiede
- Pragmatik der frühneuzeitlichen (Zwangs-)Kommunikation vor Gericht

Edition und CD-ROM bieten eine Auswahl von Verhörprotokollen und einigen Urgichten aus dem oben erwähnten EDV-Korpus, bei dem es sich um ein projektinternes "Roh"-Korpus handelt. Es enthält Prozessakten verschiedenen Umfangs - einige wenige bis mehrere hundert Blätter -, die sich zum einen in einem unterschiedlichen Stadium der Überlieferung resp. Bearbeitung befinden, zum anderen unterschiedliche Textsorten (Verhörprotokolle, Zeugenaussagen, Urteile, Rechtsgutachten, Interrogatorien etc.) umfassen können.

Wir unterscheiden drei Kategorien: 1. eigene Transkriptionen, 2. anhand von Handschriften autopsierte Fremdeditionen, 3. Fremdeditionen ohne Handschrift. In die Auswahledition sind nur diejenigen Texte eingegangen, bei denen uns die Handschrift vorlag (Kategorien 1 und 2), sodass eine originalgetreue Edition gewährleistet ist. Auf der CD-ROM befinden sich dagegen Texte, von denen wir aufgrund ihrer sprachlichen Form annehmen, dass sie originalgetreu ediert worden sind.

Wichtigste Kriterien für das Erstellen des Korpus sind die geographische Streuung bzw. regionale Repräsentativität und der Zeitrahmen, der in etwa die wichtigsten Verfolgungswellen abdeckt. In Orten mit so genannten Massenprozessen und guter Überlieferungslage werden jeweils "prototypische" Vertreter gewählt. Das so entstehende Korpus stellt also keine exhaustive Dokumentation aller aktenkundigen Hexenprozesse auf dem deutschsprachigen Gebiet dar (dies wäre eine Aufgabe für mehrere Generationen), generell wird jedoch auf die Bestände der Archive verwiesen und damit eine Möglichkeit all jenen gegeben, die z.B. eine regional begrenzte Erfassung aller Prozesse anstreben.

Die Bibliographie richtet sich schwerpunktmäßig auf kleinräumige Regionalstudien. Insbesondere sollen schwer zugängliche Veröffentlichungen (z.B. aus Heimatblättern) erschlossen werden. Die Kommentare helfen dem Leser bei der gezielten Literatursuche.

Das Projekt wurde im April 2005 erfolgreich abgeschlossen. Edition, CD-ROM und Bibliographie sind unter dem Gesamttitel Deutsche Kanzleisprache in Hexenverhörprotokollen der Frühen Neuzeit im Herbst 2005 im Verlag de Gruyter erschienen (s. Literatur).